Report: Dorsch-Rückwürfe: illegal, destruktive und umweltschädigend

Die Ostsee ist eines der größten Brackwassergebiete der Welt, das über die schmalen dänischen Sunde mit der Nordsee verbunden ist. Die Mischung aus Süß- und Salzwasser sowie der begrenzte Austausch mit den Meeresgewässern schaffen ein einzigartiges und fein ausbalanciertes Meeresökosystem, in dem Fischen eine besondere Rolle zukommt. Neben Stoffeinträgen und der Einleitung von Abwasser aus den landwirtschaftlich bzw. industriell genutzten Flächen und städtischen Gebieten der neun Anrainerstaaten bildet die Fischerei eine der größten Belastungen für die Flora und Fauna der Ostsee – die deshalb zu den am stärksten bedrohten Meeresökosystemen der Erde zählt.

                                 

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 Dorsch-Rückwürfe: illegal, destruktive und umweltschädigend

Die Mehrzahl der Ostseefischereien – und insbesondere die Dorschbestände – sind ernsthaft gefährdet. Auf dem Höhepunkt des Dorschfangs im Jahr 1984 landeten Fischer mehr als 440.000 Tonnen Dorsch aus der östlichen Ostsee an, während sie heute angesichts des schrumpfenden Bestandes nicht einmal 40.000 Tonnen pro Jahr fangen dürfen. Doch der Dorsch in der östlichen Ostsee nimmt nicht nur mengenmäßig ab, er wird auch kleiner. Exemplare von mehr als 45 Zentimetern Länge sind heute eine Seltenheit. Vor neun Jahren stand auch der Dorschbestand in der westlichen Ostsee kurz vor dem Zusammenbruch und gilt, trotz langsamer Erholung, aufgrund schwachen Nachwuchses bis heute als besonders gefährdet. Als Folge mussten Fangverbote während der Laichzeit verhängt und die Fangquoten drastisch gesenkt werden, um den Bestand zu schützen.

Zudem ist allgemein bekannt, dass es auch nach Einführung des Rückwurfverbots(sog. Anlandeverpflichtung) für die Ostsee im Jahr 2015 nach wie vor zu massiven illegalen Rückwürfen kommt. 2017, mehr als zwei Jahre nach Inkrafttreten des Rückwurfverbots, wurden die nicht gemeldeten Rückwürfe von Dorsch in der östlichen und westlichen Ostsee auf 10,1 Millionen Fische geschätzt.

Solange die Regierungen der Ostseeländer nicht bereit oder in der Lage sind, das Rückwurfverbot in der Ostsee wirksam zu überwachen und durchzusetzen, setzen sie die Nachhaltigkeit der Fischbestände aufs Spiel und laufen Gefahr, wissenschaftliche Empfehlungen zu missachten, die Nichteinhaltung geltender Vorschriften zu belohnen, selektive Fischerei zu benachteiligen und den Ruf der EU-Lieferketten für Fischereierzeugnisse durch illegale Aktivitäten zu schädigen.

Wie kommt es, dass die weithin bekannten Dorschbestände in der Ostsee und die auf sie angewiesenen Küstenregionen so wenig Unterstützung finden und bis heute auf dringend benötigte Maßnahmen zu ihrem Schutz und zur Wiederherstellung warten müssen?

Es ist höchste Zeit, dass die EU-Mitgliedsstaaten aufhören, illegalen und umweltschädlichen Fischfang zu begünstigen, und stattdessen mit dem Aufbau nachhaltiger Fischereien beginnen, die geschützte Bestände, florierende Küstenregionen und ein transparentes Fischereimanagement gewährleisten können.

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Photo: Kagsdorf, Germany, freshly caught cod, Agencja Fotograficzna Caro / Alamy Stock Photo